Großkarolinenfeld –. Mit dem neuen Stück „Die Rote Mühle“ hat die Theatergemeinschaft Tattenhausen schon beim Premierenpublikum ins Schwarze getroffen.

Unter der Regie von Christian Gambos und Tina Baumann kommt heuer die leicht frivole Komödie von Brigitte Wiese und Patrick Siebler in Tattenhausen im Gasthaus „Zum Bräu“ zur Aufführung.

Zum Inhalt: Das Gasthaus „Alte Mühle“ kommt trotz der Anstrengung von Wirtin Gisela Wenig, brillant gespielt von Heidi Geyer, in Insolvenz. Die Rettung vor dem Ruin kommt vom plötzlichen Auftreten der Animierdame Lolita, temperamentvoll und erotisch von Daniela Poertzler schon fast professionell in Szene gesetzt. Sie lernt die unbedarfte und intellektuelle Bedienung Susanne Dumpf mit Mühe zur Animierdame an. Claudia Hofmann, alias Susanne Dumpf lernt schnell und wird mit ihrem Charme zur perfekten Nachtclubdame.

Als Dritte im Bunde gesellt sich noch die Animierdame Roxana (Claudia Stahuber) dazu. Das Trio ist perfekt und umgarnt gekonnt die männlichen Gäste (Michael Stecher, Hans Siegel und den jungen Marinus Maicher). Erika Dumpf, souverän gespielt von Gitti Stahuber, kommt als besorgte Mutter der neuen Animierdame Susanne überraschend zu Besuch und bringt gekonnt alles durcheinander.

Das Geschäft läuft und verspricht zur Goldgrube zu werden, wenn nicht plötzlich die Steuerfahnderin Getrud Nau (Simone Ehberger) mit akribischer Genauigkeit die Buchführung, die gar nicht aufzufinden ist, prüfen würde. Aber noch nicht genug. Kommt nicht der örtliche Mafiaboss Da Toni, von Christian Baumann im schneeweißen Anzug und schwarzer Sonnenbrille nach echtem Vorbild im gebrochenen italienisch gespielt, mit seinen Bodyguards Igor (Georg Weichselbaumer) und Vladimir (Ludwig Maier) um Schutzgeld einzufordern.

Gerade als das Geschäft hohe Gewinne verspricht, hat die Steuerfahnderin eine Steuerschuld von mehr als 100 000 Euro errechnet. Da gibt es bei der strengen Finanzbeamtin keinen Rabatt, das Geld muss bezahlt werden. Dazu versucht der Mafiaboss mit Gewalt Schutzgeld einzufordern. Die Wirtin ist verzweifelt. Doch der Notar Hans Siegel (Heini Baumgartner) hat mit einem Trick die rettende Idee. Welche wird hier nicht verraten. Davon muss sich der Besucher, bei dem bestimmt in dieser Komödie kein Auge trocken bleibt, selbst überzeugen.

Die Pointen der brillant gespielten Laiendarsteller kommen immer zur rechten Zeit und das Premierenpublikum sparte nicht mit Szenenapplaus.

 

Aufführungen sind noch bis 30. März in Tattenhausen, Hauptstraße. Nächste Termine: Samstag, 16. März, um 20 Uhr sowie am Sonntag, 17. März, um 14 Uhr und am Freitag, 22. März, und am Samstag und Sonntag, 29./30 März, jeweils 20 Uhr. gr

https://www.ovb-online.de/rosenheim/bad-aibling/mafioso-wirtschaft-11848213.html

VON EVA BAUMGARTNER

Wenn das Autorenteam Brigitte Wiese und Patrick Siebler zum Theaterabend des Gesangvereins Rechberg einlädt, dann ist das Haus voll. Gegeben wurde in diesem Jahr die „Mehrgenerationenvilla – Annas Wohnprojekt für Jung und Alt“, in drei Akten. Es stammte wie gewohnt aus der Feder des Autorenduos, unter der Regie von Brigitte Wiese. Ein Schwank aus dem Leben, mit etlichen Turbulenzen, dubiosen Charakteren und was am wichtigsten ist: gespickt mit witzigen Szenen und Dialogen, die die Gemeindehalle unter lauten Lachsalven, Gebrüll und Applaus auf offener Szene erzittern ließen.

Die Geschichte: Anna von Stein (Sonja Haberland) soll in ein Pflegeheim ziehen, so wollen es der Bürgermeister (Gregor Huber) und die hinterlistige Dame vom Ortsbauamt (Natalie Thomann), mit der Absicht Haus und Grundstück für die Gemeinde unter den Nagel zu reißen.

Der Gemeinde ein Schnippchen geschlagen

Die rüstige Alte macht aus ihrer Not eine Tugend und verwandelt ihre große Villa in eine Wohngemeinschaft für alle Obdachlosen in der Gemeinde. Als da wären: der Dorfsaufkopf (Gino Murelli), das Ehepaar Meier (Brigitte Wiese, Frank Haberland), der Nullbock-Teenager Kevin (Nils Brodscholl), die Ökotante Laura (Silvia Janz) sowie der italienische Monteur Carlo (Salvatore Di Nucchi). In kleinen Neberollen agierten Marike Dold als Kevins Mutter und Patrick Siebler als rasender Reporter.

Man ahnt es schon: Die unterschiedlichsten Persönlichkeiten und Welten prallen aufeinander. Der eine hat nur den Schnaps im Sinn, die Andere verficht vehement die biologisch-dynamische Ernährung, der Macho-Ehemann hat nur Freude, wenn er seine Frau herunterputzen kann, der Charmebolzen aus Italien gibt den Papagallo. Um diesem Chaos Herr zu werden, betreut der höchst sensible Sozialarbeiter Lars Laber (Frank Weißenberger) die wild gemischte Wohngemeinschaft.

Begeisterter Szenenapplaus

Es fliegen die Fetzen, wilde Wortgefechte und turbulente Szenen sind vorprogrammiert, das begeisterte Publikum belohnte etliche Szenenabgänge des ein oder anderen Schauspielers mit Applaus. Witzige, freche Dialoge mit einigen Seitenhieben auf Persönlichkeiten aus dem aktuellen Klettgauer Leben, erfreuten manch schadenfrohen Zuschauer. Dabei nimmt sich der Auftritt des armen Klettgauer Bürgermeisters Ozan Topcougullari, der sich als Pizzabote im Nebenjob Geld dazuverdienen muss, noch recht harmlos aus.

Keine Minute lang war dieser Dreiakter für das Publikum langweilig, der nahm zu guter Letzt eine mehr als überraschende Wendung mit einem guten Ende, das versteht sich wohl von selbst. Im Hintergrund agierten die Souffleusen Iris Murelli und Sandra Siebler. Für die Maske waren Bettina Weber und Ruth Weißenberger zuständig.

Letzte Aufführung: Am Samstag, 12. Januar, 20 Uhr, findet die vierte und letzte Aufführung statt, dazu sind noch Karten erhältlich.

Die Gruppe

 

Die Theatergruppe des Männergesangvereins Rechberg besteht aus erprobten Theaterhasen. Seit 15 Jahren schreiben Brigitte Wiese und Patrick Siebler Lustspiele, die von Verlagen herausgebracht und auch von anderen Theaterensembles aufgeführt werden. In Rechberg führt die 68-jährige Brigitte Wiese Regie. Sie steht seit 50 Jahren als Schauspielerin auf der Bühne.

https://www.suedkurier.de/region/hochrhein/klettgau/Beim-Theaterstueck-Mehrgenerationenvilla-Annas-Wohnprojekt-fuer-Jung-und-Alt-das-der-Gesangverein-Rechberg-spielt-prallen-Welten-aufeinander;art372608,10011040

VON EVA BAUMGARTNER

Frau Wiese, seit 50 Jahren spielen Sie Theater. Wie kamen Sie dazu? Was bedeutet für Sie das Theaterspielen?

Ich spiele sehr gerne Theater und so ist im Laufe der Zeit aus einem Hobby Leidenschaft geworden. Als in Rechberg für eine Rolle eine jüngere Frau, ich war damals zarte 18 Jahre alt, gesucht wurde, sprach mich meine Tante Luzia an, die bereits Theater spielte. Und schon war ich dabei und bin seitdem dabei geblieben. Theaterspielen bedeutet für mich, mal aus der eigenen Haut zu schlüpfen, ganz andere Charaktere zu spielen.

Haben Sie eine Schauspielausbildung gemacht oder sind Sie ein Naturtalent?

Eine Ausbildung habe ich nicht gemacht, ich habe über die Jahrzehnte viel gelernt und mich laufend weiter entwickelt.

Bei zahlreichen Lustspielen haben Sie mitgewirkt, das Laienschauspiel auf hiesigen Theaterbühnen erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, wie erklären Sie sich das?

Unser Theater in Rechberg ist wirklich sehr beliebt, deshalb werden unsere Stücke inzwischen vier Mal jeweils vor vollem Haus aufgeführt. Es ist natürlich wichtig, dass das Stück kurzweilig und unterhaltsam ist. Die Rollen müssen gut besetzt sein, bei den Schauspielern muss der Text stimmen. Dafür proben wird enorm viel. Über all die Jahre haben wir uns einen guten Ruf erarbeitet, was uns natürlich sehr freut.

Die aufgeführten Stücke sind alle in Mundart, hierzulande im breitesten Alemannisch....

Alemannisch ist unsere Muttersprache. Wenn es zur Rolle passt, wird diese vorzugsweise im Dialekt gespielt, weil dies natürlicher rüber kommt als ein „gekünsteltes“ Hochdeutsch.

Was macht für Sie ein gutes Theaterstück aus? Was ist für Sie ein guter Schauspieler?

Ein gutes Theaterstück lebt nicht nur von guten Rollen, sondern sollte allen Spielern ermöglichen, ob dankbare oder undankbare Rolle, diese auch auszuleben. Dieses Hineinversetzen in eine Figur und sie glaubwürdig darzustellen, zeichnet einen guten Schauspieler aus. Unsere Stücke sollen das Publikum unterhalten und ganz wichtig auch zum Lachen bringen, sodass der Alltag an diesem Abend mal kurz zur Seite gelegt werden kann.

Sie führen auch Regie, das heißt Sie leiten die Schauspieltruppe an.

Zu einer guten Regie gehört für mich in erster Linie, dass die Stimmung in der Truppe stimmt. Es soll ja allen Freude bereiten. Ich greife eigentlich nur ein, wenn ich es für nötig finde und gebe Tipps oder Ratschläge. Aber ich bin auch offen für gute Ideen und Anregungen von Mitspielern, die fallen bei mir ebenso auf fruchtbaren Boden.

Haben Sie eine feste Schauspieltruppe? Sogar Ihre Töchter und einen Enkel konnten Sie für das Theater begeistern, das ist ja fast schon ein Familienbetrieb.

Die Schauspieltruppe ändert sich immer mal wieder. Eine gute Ersatzbank erlaubt es uns, jährlich auszuwechseln, altgediente Spieler stehen bereit und neue kommen hinzu. Meine drei Töchter haben schon alle gespielt, beziehungsweise spielen immer noch. Auch mein Enkel Nils ist inzwischen dabei. Familienbetrieb wäre allerdings übertrieben, auch wenn unsere gesamte Truppe inzwischen wie eine Familie ist.

Seit 15 Jahren schreiben Sie gemeinsam mit Patrick Siebler Komödien. Wie kam das zustande?

Es war immer recht schwierig, das geeignete Stück für uns zu finden. Ich habe manchmal bis zu 50 Stücke gelesen, bis ich etwas für uns Adäquates gefunden habe. Auch hatte wir von diesen ewigen Bauernschwänken die Nase voll. Nach einer Probe habe ich mich über diese Problematik mal mit Patrick Siebler unterhalten. Spontan waren wir uns einig, uns selbst als Autoren zu versuchen, denn Ideen hierfür hatten wir bereits genug.

Würden Sie von sich sagen, dass Sie ein extrem fantasievoller Mensch sind, dem die Ideen für gute Geschichten zufliegen? Oder wie entwickeln Sie Ihre gemeinsamen Stücke?

In der Regel suchen wir uns gemeinsam ein bestimmtes Thema aus, aus welchem wir eine Story entwickeln, entsprechende Charaktere hinzufügen und auch einen Ort festlegen. Wir treffen uns dann regelmäßig, um die Handlung des Stückes mit Sprechtexten zu füllen. Nach etwa vier Monaten steht in der Regel der Text für das Stück. Unser allererstes Stück erschien unter dem Pseudonym B. Riwipasi, zusammengesetzt aus den Anfangsbuchstaben unserer Namen. Wir wollten unerkannt bleiben, falls dieses Stück „in die Hose gegangen wäre“.

Sie haben sogar Verlage für Ihre Stücke gefunden, sie werden andernorts aufgeführt. Das ist doch ein großer persönlicher Erfolg?

Da ich bei den Theaterverlagen als Regisseurin bereits bekannt war, war es nicht schwierig, einen Verlag zu finden. Wir haben unsere Stücke zwischenzeitlich bei drei Verlagen untergebracht. Unsere Stücke sind in schriftdeutsch verfasst und werden im gesamten deutschsprachigen Raum gespielt. Ein Stück wurde sogar komplett übersetzt und erscheint auf „Plattdütsch“.

Haben Sie in den 50 Jahren auf der Bühne schon einmal einen Reinfall erlebt? Im allerschlimmsten Fall hagelt es Pfiffe. Kam das schon mal vor?

Nein, einen so schlimmen Reinfall habe ich noch nie erlebt. Dass es mal einen Hänger gibt, kann schon vorkommen. Wenn dies im Rahmen bleibt, wird dies auch vom Publikum verziehen.

Gibt es Aufführungen, die Ihnen in besonderer Erinnerungen sind?

Eigentlich sind bei mir alle Aufführungen in guter Erinnerung. Es gab schon ein paar Theateraufführungen, an die ich mich besonders erinnere. Beispielsweise hatte ich einmal die Rolle der im Bett liegenden Großmutter, dabei bin ich auf der Bühne prompt eingeschlafen, meine Kollegen hatte ihre liebe Mühe, mich, vom Publikum unbemerkt, wach zu kriegen. Ein anderes Mal verzettelten sich die Souffleusen fürchterlich, was ein bisschen für Chaos sorgte. Aber rückblickend muss ich sagen, ist es für mich in diesen 50 Jahren das Schönste so viele Freunde gefunden zu haben.

Zur Person

Brigitte Wiese ist 68 Jahre alt, lebt in Erzingen, ist verheiratet und hat drei Töchter. Ihre große Leidenschaft ist das Theaterspielen. Seit 50 Jahren steht sie auf Klettgauer Theaterbühnen, die mehrmaligen Aufführungen sind in der Regel immer ausverkauft. Seit 15 Jahren schreibt sie gemeinsam mit dem Erzinger Patrick Siebler Theaterstücke, die von drei Verlagen verlegt werden. Sie schreiben und produzieren jedes Jahr ein neues Stück, das so gesehen immer eine Welturaufführung ist.

 

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